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Autor: finger77

Buchempfehlung:

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Hartmut Rosa: „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“,  Suhrkamp 2016

Resonanz

„Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung.“ Mit diesem Satz beginnt das neue Werk „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“ von Hartmut Rosa. Bekannt geworden ist der deutsche Soziologe durch die Publikation „Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“, in welchem er Ursachen, Erscheinungsformen und Konsequenzen der sozialen Beschleunigung in der modernen Lebenswelt untersucht.

Da laut Rosa in der modernen Gesellschaft immer mehr Menschen das Gefühl haben, einer stummen, gleichgültigen Welt gegenüber zu stehen, stellt der Autor in seiner neuen Publikation die Frage nach den Voraussetzungen für ein gutes, gelingendes Leben und nach einer Strategie, um dem Gefühl zunehmender Entfremdung zu entkommen.

In dem Versuch vieler Menschen, als Gegenreaktion auf eine zunehmend beschleunigte Welt das eigene Leben zu entschleunigen, sieht Hartmut Rosa keine Lösung, da Entschleunigung nicht zum Selbstzweck werden könne. Und auch in einer übersteigerten Aktivität in den sozialen Netzwerken im Internet bleibe die Sehnsucht häufig unerfüllt, resonant mit der Welt verbunden zu sein, da der Weltbezug in den digitalen Medien in den meisten Fällen nur vorgegaukelt werde. Als adäquate Gegenstrategie zur wachsenden Entfremdung sieht der Autor daher Resonanz, die wir in leiblich-sinnlichen Resonanzbeziehungen erfahren.

Was genau Resonanz bedeutet und in welchen Lebensbereichen sie ganz konkret erlebt oder aktiv hergestellt werden kann (etwa in den „Erfahrungssphären“ Arbeit, Familie, Religion und auch Sport), und welchen ganz konkreten Hindernissen sie ausgesetzt ist und welche Folgen dies für unser Leben hat, all dies beschreibt Hartmut Rosa auf sehr verständliche Weise auf über 800 Seiten, die man entweder hintereinander weg oder auch nach jeweiliger Interessenlage sprunghaft-selektiv lesen kann.

Hartmut Rosa (50) ist seit 2005 Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Universität Jena. Er ist vor allem bekannt für seine Studien zur Beschleunigung der Arbeits- und Lebenswelt.

Weitere Informationen zum Buch auf der Suhrkamp Webseite HIER

 

 

– The Games Are Opened –
Berliner Wahlkampf eröffnet (aber wer zum Henkel ist Frank?)

– The Games Are Opened –
Berliner Wahlkampf eröffnet (aber wer zum Henkel ist Frank?)

 

Am 18. September wird in Berlin mal wieder ein neues Abgeordnetenhaus gewählt – der Straßenwahlkampf 2016 ist eröffnet!

Berlins in der Regel eher graue Straßen (siehe Haus im Hintergrund) sind ab sofort mit großen bunten Wahlplakaten gepflastert, auf denen überdimensionale Politiker-Gesichter mit teilweise grotesken Wahl-Sprüchen abgebildet sind. Dieses Plakat zum Beispiel ist mir gestern (zum Glück nur sinnbildlich) ins Auge gesprungen:

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Nachdem vor einiger Zeit die Bundeskanzlerin Angela Merkel ganz Deutschland ein „breiteres Internet“ versprochen hatte (hoffentlich passt das dann noch in meine Wohnung rein?!), wirbt nun ihr Parteikollege und Berlin-CDU Parteivorsitzender Frank Henkel (wer zum Henkel ist Frank?) mit diesem Slogan: „Mehr Video-Technik. Nur mit uns.“

Aber was genau ist eigentlich noch mal Video-Technik? Klingt irgendwie nach 80er Jahren. Eigentlich aber eine tolle Idee! Allein die beiden Worte „Video“ und „Technik“ lassen bei mir eine nostalgisch-romantische Stimmung aufkommen im beschleunigten Zeitalter der Digitalisierung.

Die Redaktion von fingerdrauf könnte Frank Henkel noch einen ausrangierten Videorecorder und diverse Videokassetten zur Verfügung stellen (darunter auch die turbulente Liebes-Komödie „Blind Date – Verabredung mit einer Unbekannten“ mit Kim Basinger und Bruce Willis aus dem Jahr 1987) – vielleicht hilft das ja ein bisschen im knallharten Kampf gegen Verbrecher und um Wählerstimmen.

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Denn Wählerstimmen scheint Frank Henkel laut derzeitiger Umfragen wirklich bitter nötig zu haben. Deshalb dürfte die große Unbekannte im Berliner CDU-Wahlkampf auch keine attraktive Brunette mit Alkoholproblem, sondern der ernüchterte Berliner Wähler sein.

Wir dürfen also gespannt sein, wie dieses Blind Date für Franky-Henky ausgehen wird. Die Wahlprognosen sehen ihn und seine „Christlich Union“ momentan bei etwa 20 Prozent herumhumpeln.

Weitere Hintergrund-Informationen zum Wahlkampf und zur Lage der Berliner CDU findet Ihr hier:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/wahlkampf-berliner-cdu-duempelt-bei-20-prozent/12912922.html

 

fingerdrauf wünscht viel Spaß mit Olympia 2016:

fingerdrauf wünscht viel Spaß mit Olympia 2016:

Bildschirmfoto 2016-08-10 um 13.03.00

Diese ARD Dokumentation zeigt, wie Olympia und Co. der Demokratie schaden, die Steuerzahler betrügen, den lokalen Sport ausbremsen und die Volkswirtschaft beschädigen. Und welche Visionen diejenigen haben, die das ändern wollen.

Olympische Spiele in Rio – bei den Bürgern herrscht keine große Feierlaune:

 

 

kultur-GUT – fingerdrauf Buchempfehlung:

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Alexander von Schönburg

SMALTALK. Die Kunst des stilvollen Mitredens

Rowohlt Taschenbuch Verlag (2016)
€ 9.99

SMALLTALK
SMALLTALK

Reden ist Silber, Smalltalk ist Gold. Unter diesem Motto führt uns Alexander von Schönburg in die Kunst des Smalltalks ein. Denn ganz zu Unrecht hat die Kommunikationsform des ‚kleinen Gesprächs’ in Deutschland noch immer einen eher schlechten Ruf. So ist dem adligen Autor und Journalisten Alexander von Schönburg nach „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ und „Der fröhliche Nichtraucher“ auch mit diesem erhellenden Plädoyer daran gelegen, unseren Blick auf ein gesellschaftlich relevantes Thema zu hinterfragen und zu verändern.

Gleich zu Beginn nimmt uns von Schönburg die Angst vor unseren eigenen Wissenslücken, die sich bei einer festlichen Veranstaltung in einer plauderhaften Gesprächsrunde auftun könnten. Indem er auf die unüberschaubare Informationsflut im Zeitalter der digitalisierten Medien verweist. Und seinem Buch ein zeitlos gültiges Zitat von Shakespeare voranstellt: „The fool do think he is wise, but the wise man knows himself tob e a fool“.
Im Folgenden bereitet uns dann der in gesellschaftlichem Umgang erprobte Alexander von Schönburg auf unvorhersehbare Gesprächssituationen bei Empfängen, Cocktailpartys und anderen Feierlichkeiten vor. Und auf das häufige Auftauchen ganz bestimmter Themenfelder in Gesprächsrunden wie „Das Genderproblem“, „Essen“, „Fußball“, „Internet“, „Kapitalismus“, „Moderne Kunst“, „Fernsehserien“ etc., denen wir mit ein wenig Grundwissen (wird mitgeliefert) und der richtigen inneren Haltung völlig gelassen entgegensehen können.
Als Bonus bekommt der Leser abschließend noch „Zehn Goldene Regeln für jedes Fest“ mit auf den Weg zum nächsten Event sowie stichwortartige Listen zu „Themen, die auf gesellschaftlichem Parkett zu umschiffen sind“ und „Themen, die auf gesellschaftlichem Parkett immer gehen“.
Nach diesem ebenso scharfsinnigen wie heiteren Schnellkurs für das gelungene Gespräch wird der Leser befähigt sein, sich vollkommen unbekümmert und selbstbewusst noch in die auswegloseste Gesprächssituation hinein zu begeben.

Weitere Details und Leseprobe auf der Rowohlt Verlagsseite:

http://www.rowohlt.de/taschenbuch/alexander-von-schoenburg-smalltalk.html

kultur-Gut – fingerdrauf Buchempfehlung:

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„PANIKHERZ“ von Benjamin von Stuckrad-Barre

Panikherz
Panikherz

Als ich mich 1998 in Köln mitten in der Ausbildung zum Buchhändler befand, schickte der legendäre Verlag Kiepenheuer & Witsch unserer Buchhandlung eines Tages ein seltsames Leseexemplar zu, für das sich keiner meiner Kollegen weiter zu interessieren schien. Ich war der einzige, der das KiWi-Taschenbuch in die Hand nahm, das den seltsam klingenden Titel „Soloalbum“ trug und von einem noch seltsamer klingenden Autor Benjamin von Stuckrad-Barre verfasst worden war. Auf dem Buchrücken stand eine Leseempfehlung von Harald Schmidt: „Jugend der Welt – kauf dieses Buch und lies es!“. Wie konnte es sein, dass der von mir für seine Late-Night-Show verehrte Entertainer Harald Schmidt einem unbekannten Autor ein derartiges – wenngleich nicht ganz Ironie-freies – Lob aussprach?
Im Jahre 2016 gibt nun der längst allseits bekannte Autor und Journalist Benjamin von Stuckrad-„Knarre“ (wie Udo Lindenberg ihn einmal nannte) in seinem autobiographischen Text „PANIKHERZ“ auf Fragen wie diese ausführlich Antwort. Und eines wird dabei ziemlich schnell klar: Während ich eine ganz normale Ausbildung absolvierte und anschließend in Berlin in aller Ruhe Literaturwissenschaft studierte und nun wieder der friedlichen Tätigkeit des Buchhändlers nachgehe, hat sich Benjamin von Stuckrad-Barre aus Panik vor der Banalität eines ganz normal geführten Lebens für einen Lebensentwurf als Popstar und damit für ein riskantesLeben auf der Überholspur entschieden. Auf über 500 Seiten beschreibt er seinen Trip als Pop-Autor und Provokateur durch die kulturelle Landschaft der BRD und stellt seiner Autobiographie ein passendes Zitat von Jörg Fauser voran:
„Die längsten Reisen fangen an, wenn es auf den Straßen dunkel wird“.
Der einstige Sohn aus protestantischem Pastorenhaus nimmt uns mit auf eine spektakuläre Reise durch die deutsche Popkultur der letzten 20 Jahre und gewährt viele intime Einblicke in den Backstage-Bereich deutscher Prominenz: Freunde und Weggefährten wie Friedrich Küppersbusch und Harald Schmidt, Bret Easton Ellis, Sven Regener und Till Brönner tauchen auf, und immer wieder der lebensrettende Freund und Häuptling der „Panikfamilie“, Udo Lindenberg.
Stuckrad-Barre berichtet dabei auch schonungslos über sich selbst und schildert nicht nur den kometenhaften Aufstieg in den Popstarhimmel, sondern auch die lebensbedrohlichen Nebenwirkungen seines glamourösen Erfolgs und immer wieder auch Momente persönlichen Scheiterns bis hin zur lebensbedrohlichen Drogensucht. Dies alles erzählt er mit dem für ihn typischen Tonfall eines Autors, der bei einem wie Harald Schmidt in die Schule gegangen ist und sich die Welt und die Gefühle mit Ironie auf Abstand hält. Und der aber zugleich auch zur Selbstironie fähig ist und im Angesicht des Todes sogar etwas Pathos und Liebe in seinen Lebensrückblick einfließen lässt.
So können wir als Leser gemeinsam mit dem Autor das kleine Wunder feiern, den unstillbaren Durst nach rauschhaftem Leben und berauschendem Ruhm überlebt zu haben und dürfen uns darüber und darauf freuen, dieses schonungslos ehrliche, unterhaltsame und „extrem welthaltige“ Buch (so die Autorin Eva Menasse im Literarischen Quartett) in den Händen zu halten.fingerdrauf Buchempfehlung: Der Roman „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq

Weitere Details zum Buch gibt es auf er Kiwi Verlagsseite:

http://www.kiwi-verlag.de/buch/panikherz/978-3-462-31575-2/